Die Georgenkirche zu Flöha - Gesamtkirchgemeinde Flöha-Niederwiesa

Aktualisiert am 05.09.2017
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Die Georgenkirche zu Flöha

Flöha-Georgen
[Hinweis: Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden]

Malerisch zwischen dem Ufer der Flöha und der Bundesstraße 173 steht auf dem Kirchhof die kleine evangelisch-lutherische Georgenkirche. Sie ist das älteste und zugleich schönste Bauwerk der großen Kreisstadt Flöha.
Mit dem Sternengewölbe des Chorraumes ist sie ein wunderschönes Beispiel gotischen Baustiles.
Die Kirche erhielt kurz nach 1751 mit dem kräftigen Dachreiter als Turm ihre heutige Gestalt, die nach einer umfassenden Renovierung ab dem Jahr ab 2006 wieder sehr schön zur Geltung kommt.

Der Name
Die dreimalige Darstellung des Heiligen Georg im Altar gab der bis in unser Jahrhundert hinein namenlosen Kirche ihren Namen, Georgenkirche. Die Genehmigung zum Tragen dieses Namens wurde am 27. April 1935 vom ev.-luth. Landeskirchenamt Sachsen erteilt.



Der Altar
Ein Kleinod besonderer Art ist der spätgotische Schnitzaltar, ein Flügelaltar eines unbekannten Meisters, der in der Kunstgeschichte unter dem Namen "Meister des Flöhaer Altars" bekannt geworden ist.
An zentraler Stelle im Mittelschrein des Altars steht die Mutter Maria, als Himmelskönigin dargestellt, mit dem Jesuskind auf dem Arm. Ihr zur Seite sieht der Betrachter den Heiligen Martin. Auf dem linken Flügel ist die Heilige Anna, die Mutter Marias, dargestellt mit ihrer Tochter und dem Jesuskind auf den Armen. Der rechte Altarflügel zeigt einen uns unbekannten Bischof (möglicherweise St. Wolfgang), der ein Kirchenmodell in den Händen hält.
In der Advents- und der Passionszeit werden die Flügel unseres Altars geschlossen. Damit kommt ihre Rückseite zur Geltung. Zwei Tafelgemälde, die Johannes den Täufer (für die Adventszeit) und Maria Magdalena (für die Passionszeit) zeigen. Der Sockel, die so genannte Predella, stellt dem Betrachter die 14 Heiligen oder auch Nothelfer vor Augen, die in der frühen Zeit der Christenheit standhaft ihren Glauben bekannt haben und zu Märtyrern der Kirche geworden sind.
Wir müssen ja bedenken, dass der ganz kurz nach 1500 gebaute Altar aus der katholischen Zeit stammt. Es ist für uns heute ein großer Glücksfall, dass der Altar 1539 in der Zeit der Evangelisierung Sachsens nicht einer Bilderstürmerei anheimgefallen ist.

Zwei weitere Kleinodien in unserer Kirche sind der Taufstein und die im ländlichen Barock ausgeführte, reich geschmückte Kanzel.

Für den Taufstein, 
ein Zeugnis aus der Barockzeit, wurde als Material Stein aus dem Lärchental verwendet. Der Stein trägt am äußeren oberen Rand die Umschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes“. Am unteren Teil erblickt man vier kniende, in dichte Gewänder gehüllte Gestalten mit gefalteten Händen; möglicherweise Paten darstellend, darüber geflügelte Engelsköpfchen.

Die Kanzel 
wurde 1676 in Dienst genommen. Sie zeigt in den Giebelfeldern der Brüstung die Gestaltung der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes mit ihren Attributen.




Die Orgel in unserer Kirche
Im Jahr 1655 erklingt erstmalig ein Orgelpositiv in unserer Kirche, erbaut von dem Döbelner Organist und Orgelbauer Carol Müller.
Zwischen 1672 bis 1675 erhält die Kirche eine richtige Orgel, gefertigt von dem Döbelner Orgelbaumeister Gottfried Richter.
Die heutige Bärmig-Orgel stammt aus dem Jahr 1873. Sie besitzt ca. 1350 Holz-und Metallpfeifen von wenigen Millimetern bis zu 4,90 Meter Länge, auf das Ober- Haupt- und Pedalwerk verteilt. Die Traktur ist mechanisch. (Schleiflade). Gespielt wird sie mittels zweier Manuale und eines Pedals. Ursprünglich waren 18 klingende Register auf zwei Manuale verteilt. Die Prospektpfeifen aus Zinn mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden und wurden 1926 von der Firma Jehmlich durch Zinkpfeifen ersetzt.1956 wurde bei größeren Renovierungs- und Umbauarbeiten die Orgel in ihrem Klangbild stark verändert. Die Anzahl der klingenden Stimmen wurde um zwei Register erweitert. 1999 wurde die Orgel generalüberholt. Nach dem Abschluss von umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Kirche kam es zu einer Veränderung des Raumklimas. Dies führte zu Rissbildungen in den Holzteilen der Orgel. So wurde eine erneute Sanierung 2015 nötig. Dabei konnten die nach dem Ersten Weltkrieg eingebauten Prospektpfeifen wieder durch Zinnpfeifen ersetzt werden. So erhielt die Orgel wieder ihren alten Glanz in ihrem Aussehen und Klang zurück.

Zur romanischen Vorgängerkirche
Bei im Jahr 2006 durchgeführten Arbeiten zur Erneuerung der Fußböden und dem Einbau einer neuen Heizung zur Verbesserung des Raumklimas und anderer notwendigen Arbeiten erfolgten baubegleitend archäologische Untersuchungen durch Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie in Dresden.
Beim Bodenabtrag in dem um 1500/1510 errichteten spätgotischen Chor kamen umfangreiches Mauerwerk der spätromanischen Vorgängerkirche und vier Grüfte aus dem 17./18. Jahrhundert zum Vorschein die mit Beendigung der Grabungsarbeiten beseitigt wurden, da sie u.a. für die Anlage der Vorgängerkirche störend wirken. Die Längsachse des romanischen Baues liegt etwas nördlicher als die der bestehenden Kirche. Die rechte (südliche) Gruft befindet sich im Mauerwerk des romanischen Chores. Das nördlich gegenüberliegende Fundament ist vom gotischen Chor partiell überbaut, sodass jetzt nur deren südliche Zone sichtbar ist. An dem romanischen Chor setzt etwas einziehend eine u-förmig verlängerte Apsis (gestelzte Apsis) an, deren Scheitel hinter dem Altar aufgedeckt wurden. Nachweisbar ist auch das später vergrößerte romanische Altarfundament.
Flöha wurde sehr wahrscheinlich zwischen 1160 und 1180 gegründet. In dieser Zeit ist sicher auch Flöhas erster Kirchenbau errichtet worden.
Bei dieser Vorgängerkirche handelt es sich mit großer Sicherheit um eine spätromanische Hallenkirche mit Chorturm und Apsis, wie die Grabungsarbeiten bestätigen.

Das Kirchdorf Flöha
Das Kirchdorf flaw, wie es dann 1399 hieß, hatte eine große Ausdehnung. Von Anfang an sind dazu die Siedlungen und späteren Dörfer Plaue, Falkenau, Gückelsberg, Altenhain und Braunsdorf ausgewiesen worden. Dazu gehörte in der katholischen Zeit zunächst die Kirche zu St. Petri in Stadtschellenberg, (heute Augustusburg), mit dem Bau des Schlosses die Schlosskirche zum Kirchdorf, die mit Flöha in einem Filialverhältnis standen. Stadtschellenberg betreute wiederum die umliegenden Dörfer Hennersdorf, Grünberg und Hohenfichte. Die sehr große Ausdehnung des Kirchdorfes wird mit der Lagegunst, d. h. der guten Erreichbarkeit Flöhas begründet.


Samuel von Pufendorf
Mit seinen Geschwistern verlebte Samuel, der große Sohn Flöhas, hier bis 1645 seine Kindheit und Jugend.
Wir betrachten uns seinem humanistischen Erbe verpflichtet. Samuel Pufendorf war Professor des Natur- und Völkerrechts und Historiker. Vor allen Dingen aber ist er in die deutsche Geschichte als Frühaufklärer eingegangen. Zu seinem 300. Geburtstag, im Jahr 1932 wurde mit Ehrungen seiner gedacht. Mit der Einweihung unseres Gymnasium im Jahr 1996 trägt das Gymnasium seinen Namen: „Samuel-von-Pufendorf-Gymnasium“.

Der Standort der Kirche


Die Örtlichkeit stellt gleichzeitig den Mittelpunkt des christlichen Lebens in der Gemeinde dar. Die Grabungen von 2006 bestätigen dies. Eine noch heute gut erhaltene Mauer markiert die Grenzen. Dass der Friedhof zur Kirche gehört, ist nachvollziehbar. Das schnelle Anwachsen der Einwohner im 19. Jahrhundert ergab die Notwendigkeit zu dessen Aufgabe. Seit 1892 finden Begräbnisse an anderer Stelle statt und es entstand mehr und mehr die heutige parkähnliche Anlage. Einige alte Grabplatten an der Friedhofsmauer und Denkmale für Gefallene aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1871 und dem Ersten Weltkrieg erinnern noch an die frühere Nutzung. Der frei gewordene Platz kam dem Bau des Gemeindehauses im Jahr 1956 sehr entgegen.
 
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